Archiv für Januar 2010
We’ve picked it up from the alley
Ja, es ist schon eine Weile her, dass ich hier etwas geschrieben habe! Ich hätte selbst nicht für möglich gehalten, dass die Tage hier so prall gefüllt sind und für das Schreiben im Blog nur wenig Zeit bleibt.
Seit dem letzten Eintag ist einiges passiert. Nachdem wir am besagten Sonntag die Schlüssel für unser Apartment übernommen hatten, wurden wir von Antje abgeholt. Sie ist im gleichen Ort wie Annegret aufgewachsen und lebt schon seit 14 Jahren in Kanada. Antje hatte uns eingeladen, die Nacht bei ihrer Familie in Maple Ridge, etwa eine Autostunde östlich von Vancouver zu verbringen. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg einige Dinge für die Wohnung zu besorgen. Auf diese Weise lernten wir Salvation Army, Value Village, Canadian Tire und den Canadian Superstore kennen. Antje war so lieb, uns Matratzen, Geschirr, Handtücher und andere nützliche Dinge zur Verfügung zu stellen. Auch unser Couchsurfing Host Nicholas steuerte viele nützliche Dinge bei. Wir wohnen nur zwei Straßen von ihm entfernt und treffen uns regelmäßig um zusammen zu kochen, zu joggen oder einfach einen netten Abend zu verbringen.
Hier ist es üblich, dass jeder Straßenzug über eine Art Versorgungsgasse verfügt, die hinter den Häusern verläuft. Über diese so genannte alley werden die Müllcontainer geleert und finden Anwohner zusätzliche Parkfläche. Außerdem ist es üblich, dass nicht mehr benötigte Möbelstücke in der alley abgestellt werden. Auf dem Weg zur Schlüsselübergabe entdeckte Nicholas eine Couch, die sich in wirklich gutem Zustand befand. Sie steht nun in unserem Wohnzimmer, dass gleichzeitig auch Annegrets Schlafzimmer ist. Ich habe mich im anderen Zimmer einquartiert.
Die Wohnung liegt in einer guten Wohngegend etwas südlich von Downtown. Hier steigt das Gelände etwas an und man hat an der einen oder anderen Stelle einen tollen Blick auf die Skyline und auf die dahinter gelegenen Berge. Zu Fuß benötigt man etwas über 25 Minuten um ins Zentrum zu gelangen. Da die öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut ausgebaut sind, nehmen wir oft den Bus. Ein Einzelfahrschein kostet $2,50 und ist innerhalb einer Zone für 90 Minuten gültig. Oft ist es möglich, den Fahrschein sogar als Rückfahrschein zu verwenden. An verschiedenen Orten (London Drugs, 7 Eleven, usw.) kann man ein kleines Heft kaufen, welches 10 Fahrscheine zum Preis von $19 enthält.
Die folgenden Tage waren wir damit beschäftigt, die Wohnung etwas wohnlich zu gestalten und den ersten Großeinkauf an Lebensmittel zu tätigen. Nachdem wir damit fertig waren, ging es los, unsere Lebensläufe zu überarbeiten. Bei einem Besuch im Career Center liesen wir die Lebensläufe noch einmal überprüfen und bekamen hilfreiche Tipps für die Jobsuche.
Am Freitag Mittag machte ich mich mit einem Mietwagen auf, meine Cousine und deren Familie auf Lopez Island im US-Bundesstaat Washington zu besuchen. Lopez Island ist eine der San Juan Islands und liegt westlich von Vancouver Island. Die Fahrt mit der Fähre dauert 45 Minuten und gibt einem die Möglichkeit eine atemberaubende Landschaft zu genießen. Richtung Osten war der verschneite Mt. Baker und Richtung Südwesten die Olympic Mountains zu sehen. Es war wirklich toll, Brigit und ihre Familie nach etwa 1 1/2 Jahren wieder zu treffen. Am darauf folgenden Morgen unterstütze ich Scott dabei, die Herden zu füttern und deren Liegefläche mit frischen Stroh zu versehen. Für den Abend bereitete Brigit ein wunderbares Roast Beef zu. Da es sich bei den Tieren um Kobe Rinder handelt, war das Fleisch wie von einem anderen Stern. Noch nie habe ich besseres und bekömmlicheres Fleisch gegessen. Am Sonntag Morgen machte ich mich früh auf den Weg zur Fähre. Ich hatte geplant auf dem Weg zu meiner Cousine Kathryn den Outlet Mall zu besuchen, um einige Dinge zu kaufen. An diesem Tag fanden die Playoffs für den Superbowl statt. Jeff hatte einige Freunde eingeladen und ich die Gelegenheit Kathryns Jungs kennen zu lernen. Dazu war beim letzten Besuch keine Zeit geblieben. Am Montag machte ich mich wieder auf den Weg nach Vancouver.
Nach dem Wochenende war es nun an der Zeit, die Jobsuche zu starten. Annegret hatte mittlerweile schon einen Termin für ein Training bei Benz Coffee und ich war etwas unter Zugzwang auch einen Job zu finden. Nachdem ich mein Lebenslauf bei einigen Autohäusern abgegeben hatten, ging ich Zeitarbeitsfirmen an, die noch Mitarbeiter für die olympischen Spiele suchen. Noch am gleichen Abend erhielt ich einen Anruf von AngusOne bei dem mir angeboten wurde, gleich am nächsten Tag mit der Arbeit zu beginnen. Seit gestern bin ich nun Yard Crew Supervisor in einem eigens für die olympischen Spiele eingerichteten Bus-Depot beschäftigt. Ich hoffe, dass ich dort bis Mitte / Ende März arbeiten kann und werde mir dann in der Zwischenzeit etwas Neues suchen.
Morgen steht ein Snowshoeing Trip an, zu dem uns Nicholas eingeladen hat. Leider muss ich am Sonntag schon wieder arbeiten und kann daher nicht dort übernachten. Das wird hoffentlich der Erste von einer Reihe von Ausflügen in die kanadische Wildnis.
Übrigens: Im Blog von Annegret finden sich weitere Bilder und Berichte.
Die ersten Tage
Nachdem wir jetzt schon den 5ten Tag in Kanada sind, möchte ich mal einen kurzen Bericht abgeben. Am Dienstag ging es schon verhältnismäßig früh an den Bahnhof in Offenburg. Ich hatte den Zug so gebucht, dass zwischen Ankunft in Frankfurt und Abflug nach Calgary vier Stunden lagen. Bedingt durch einen Unfall an einem Bahnübergang bei Rastatt verzögerte sich die Abfahrt in Offenburg um etwa zwei Stunden. Ich hatte schon damit gerechnet, den Flug nicht erreichen zu können. Kurz vor knapp und dank Annegrets Hilfe, die mich am Fernbahnhof abgeholt und zum Check-In gebracht hatte, konnte die Reise beginnen.
Obwohl pünktlich mit dem boarding begonnen wurde, mussten wir im Flugzeug auf die Enteisung warten. Aus einer Stunde Wartezeit wurden zwei Stunden. Angeblich gab es keine Startfreigabe. Nach weiterer Wartezeit kamen Polizisten in die Maschine und nahmen einige Personen mit nach draußen. Alle Passagiere wurden daraufhin aufgefordert, die Maschine zu verlassen, um einen Sicherheitscheck durchzuführen. Mit einer fünfstündigen Verspätung, von der wir 4 1/2 Stunden im Flugzeug verbracht hatten, ging es nun Richtung Calgary. Nach der Landung erfuhren wir, dass für uns heute keine Maschine mehr nach Vancouver bereitsteht. Wir wurden mit einem Shuttle zu einem Hotel gebracht, in dem wir auf Kosten von Air Canada die Nacht verbringen durften. Was sich am Abend zuvor noch als bitter darstellte, entpuppte sich als Glücksfall. Bei Sonnenaufgang erwartete uns ein wolkenloser Himmel und ein umwerfender Blick auf die Skyline von Calgary mit den Rocky Mountains im Hintergrund.
Nach einstündigem Flug landeten wir im wolkenverhangenen und regnerischen Vancouver. Bereits am Vorabend hatte wir mit unserem Couchsurfing-Host telefoniert. Er bot uns an, die Schlüssel für seine Wohnung bei ihm im Büro abzuholen. Nachdem wir unser Gepäck abgestellt hatten, machten wir uns mit Arien, einem Couchsurfer aus Holland, auf den Weg zu Granville Island um etwas zu essen. Auf Granville Is. gibt es einige Restaurants und Bars, sowie eine Markthalle mit den unterschiedlichsten Lebensmitteln und Gerichten. Ein anschließender Verdauungsspaziergang führte uns entlang der Seawall zurück zu Nicholas Wohnung. Nachdem Nicholas von der Arbeit nach Hause gekommen war, machten wir uns gemeinsam daran, etwas zu kochen. Bei einem gemütlichen Abendessen konnten wir uns sehr nett unterhalten und einige Insider-Tipps zu Vancouver bekommen und erfreuten uns an wunderbaren Bildern, die auf Schneeschuh-Touren in den Coast-Mountains nördlich von Vancouver und auf dem West-Coast-Trail auf Vancouver Is. entstanden. Nicholas lud uns für Ende Januar zu einer zweitägigen Schneeschuhwanderung ein.
Mittlerweile haben wir eine kanadische SIM-Karte, für die man hier alleine $40 zahlen muss. Auch die SIN (Social Insurance Number) haben wir beantragt. Für die Eröffnung eines Kontos ist bei einigen Banken ein fester Wohnsitz Voraussetzung. Nachdem wir heute ein Apartment gefunden haben, sollte das auch kein Problem mehr sein. Die neue Wohnung befindet sich nur zwei Blocks von Nicholas entfernt. In dieser Gegend gibt es viele Apartmentkomplexe. Sollten Wohnungen zur Vermietung stehen, stellen die Unternehmen Informationstafeln auf. Aller Voraussicht nach, können wir morgen in die Wohnung.
Hier ist das Gebäude:
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